Die Betriebseurythmie hat ihre Wurzeln in der Eurythmie, die aus der anthroposophischen Bewegungskunst hervorgegangen ist. Sie überträgt die Prinzipien von Rhythmus, Bewusstsein und lebendiger Bewegung in die Arbeitswelt. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie wir uns im Miteinander bewegen, nicht nur körperlich, sondern auch im Denken, im Empfingen und Handeln.

Was dich in einer Betriebseurythmie Session erwartet

Am Anfang steht immer ein offenes Gespräch mit den Führungskräften oder dem Team selbst. Gemeinsam klären wir, welche Themen gerade wichtig sind: Vertrauen stärken, Kommunikation fördern, Veränderungen begleiten oder die Zusammenarbeit lebendiger gestalten. Dieses erste Zuhören und Verstehen ist die Grundlage für alles, was folgt.

Wenn das Ziel klar ist, kommt das Team in Bewegung. Wir beginnen mit einfachen eurythmischen Übungen, die jede und jeder mitmachen kann. Es geht dabei nicht um sportliche Leistung, sondern um das bewusste Erleben von Rhythmus, Raum und Begegnung. In der Bewegung wird für jeden sichtbar, wie Zusammenarbeit gelingt, oder wo es vielleicht noch hakt.

Hier ein Beispiel eines Leadership Eurythmie Workshop mit 110 Menschen einer Textilfabrik in Vietnam.

Nach einer Übungsreihe halten wir inne und tauschen uns aus. Diese Momente der Wahrnehmung und Reflexion sind oft sehr lebendig: Man erkennt miteinander Muster, spürt Veränderungen und entdeckt ganz neue Seiten von sich selbst und des Miteinanders. Bei diesem bewussten Wahrnehmen spürt man oft, dass sich innerlich etwas verändert.

Im nächsten Schritt geht es darum, die gemachten Erfahrungen mit in den Arbeitsalltag zu nehmen. Die Bewegungen werden zum Wegweiser um Projekte klarer, Kommunikation offener und Führung bewusster zu ergreifen.

Zum Abschluss einer Session oder eines ganzen Projektes besprechen wir, was sich gezeigt hat und wie der nächste Schritt aussehen kann. Manchmal fließt daraus eine neue Idee für den Alltag oder ein langsamer, spürbarer Wandel in der Achtsamkeit der Zusammenarbeit.

Betriebseurythmie wirkt nach: oft auf eine stille, aber beständige Weise.

Fragen und Antworten

Eine Betriebseurythmie-Session dauert in der Regel zwischen 30 und 90 Minuten. Je nach Anlass oder Ziel kann sie aber auch kürzer oder als Teil eines ganz- oder mehrtätigen Workshops gestaltet werden.

Nein. Du musst nichts über Eurythmie wissen und brauchst keine besondere Vorbereitung. Die Übungen werden immer so angeleitet, dass jede und jeder sofort mitmachen kann.

Das hängt vom Rahmen ab. Eine Session kann mit einem kleinen Team von fünf Personen stattfinden aber genauso auch mit einer Gruppe von 20 oder sogar 100 Menschen. Wichtig ist, dass Raum für Bewegung und Begegnung bleibt.

Ja, besonders. Führung heißt heute oft, Bewegungen und Veränderungen im Team und in der Organisation zu spüren und bewusst zu gestalten. Eurythmie hilft, diese feinen Prozesse wahrzunehmen und stimmiger zu führen.

Schon nach einer Session können neue Einsichten entstehen. Nachhaltige Veränderungen zeigen sich besonders, wenn über einen gewissen Zeitraum regelmäßig geübt und reflektiert wird, zum Beispiel in einem Entwicklungsprozess über mehrere Wochen oder Monate. Menschliche Entwicklung passiert nicht von einem Moment auf den anderen, sondern durch Rhythmus und Vertiefung.

Ja, aber Betriebseurythmie bietet keinen schnellen „Trick“, sondern sie schafft einen Raum, in dem Menschen sich selbst und einander ehrlich wahrnehmen. Dadurch können Spannungen sich wandeln und Kommunikation wieder fließen.

Nein. In der Eurythmie entsteht kein Körperkontakt zu anderen Teilnehmern. Jeder Mensch bewegt sich eigenständig im Raum.

Nein. Normale Bewegungsmöglichkeiten reichen vollkommen aus. Auch körperlich eingeschränkte Menschen können einfach integriert werden. Eurythmie verbindet äußere mit innerer Bewegung.

Nein. Deine gewöhnliche Arbeits-, Alltagskleidung oder etwas Bequemes reichen völlig aus. Wichtig ist, dass du dich gut bewegen kannst. Absatzschuhe sollten vermieden werden. Am besten flache, bequeme Schuhe oder spezielle Eurythmieschuhe – falls vorhanden.

In einer Meditation wendet man sich bewusst einem Gedanken, einer Form, einem Mantra oder einer Bewegung zu. In der Betriebseurythmie wenden wir uns ebenfalls bewusst Bewegungen zu – allerdings ohne den in sich gekehrten Meditationscharakter – lebendiger, intuitiver und im Zusammenspiel mit den anderen Teilnehmenden.

Nein. Betriebseurythmie ist kein Sport, kein Stretching und keine Wellness-Übung. Es geht darum, sich selbst und anderen bewusst zu begegnen, im Miteinander und mit offener und urteilsfreier Wahrnehmung.

In ‚Teambuilding‚ stecken zwei Wörter. ‚Team‚ beschreibt eine Gruppe von Menschen die eine gemeinsame Aufgabe haben. ‚Building‚ beschreibt eine Entwicklung innerhalb dieses Teams. Betriebseurythmie ist exakt das: Entwicklung in einem Team. Bei Betriebseurythmie geht es nicht um Challenges, Spiele oder Unterhaltungselemente sondern um freudige, gemeinsame Entwicklung mit Sinn.

Gerade dann! Betriebseurythmie lädt dazu ein, den Körper und die Wahrnehmung als ergänzende Form von Erkenntnis zu erleben. Viele erleben dadurch neue Klarheit, nicht durch Denken allein, sondern durch bewusstes Erleben.

Typischer Ablauf einer Betriebseurythmie Session

1. Zuhören & Verstehen
Am Anfang steht ein Gespräch mit dem Auftraggeber, oft der Geschäftsführung oder HR. Gemeinsam wird geklärt, worum es wirklich geht: Vertrauen, Kommunikation, Veränderung, Visionen, Führung? Es wird ein klarer und lösungsorientierter Projektrahmen gesetzt.

2. In Bewegung kommen
Es folgen eine oder mehrere Betriebseurythmie-Sessions mit dem Team. In der Bewegung wird sichtbar, wie Zusammenarbeit gelingt, wo Spannungen liegen und wo Energie fließt. Erkenntnis entsteht durch Erfahrung. Wiederholte Erfahrung vertieft und manifestiert sich. Ein Teamflow kann erlebt werden.

3. Wahrnehmen & Reflektieren
Nach jedem Modul einer Session wird gemeinsam reflektiert: Was haben wir beobachtet, welche Muster erkennen wir? Eine Selbstwahrnehmung aber auch Teamwahrnehmung wird ermöglicht. In diesem Moment des Innehaltens – das „Presencing“ in Theory U – wird ein Raum für neue Möglichkeiten geöffnet.

4. Übertragen & Umsetzen
Die gemeinsam erlebten Erfahrungen werden direkt auf die Arbeitssituation bezogen: auf Projekte, Kommunikation und Führung. Bewegung wird so zum Werkzeug für echte Veränderung im Alltag.

5. Nachklingen & Weiterführen
Zum Abschluss werden die Ergebnisse mit dem Auftraggeber besprochen. Eine kurze Zusammenfassung oder ein Report hält fest, was sich gezeigt hat und welche Schritte folgen können.

Jede Session ist anders und so individuell wie die Menschen, die daran teilnehmen.

In der gemeinschaftlichen Bewegung entsteht etwas Echtes: Verbindung, Vertrauen, Lebendigkeit. Und genau dort beginnt Veränderung.

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